Katholische Religionslehre an der Berufsoberschule
Fachprofil (Aus dem offiziellen Lehrplan, der von Kultusministerium am 29.5.1998 genehmigt wurde):
Der Religionsunterricht ist gemäß Art, 7 Abs. 3 des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland sowie Art. 136 Abs. 2 der Bayerischen Verfassung ordentliches Lehrfach. Der Lehrplan katholische Religionslehre orientiert sich am Beschluss der Gemeinsamen Synode der Bistümer der Bundesrepublik Deutschland "Der Religionsunterricht in der Schule" (Würzburg 1974) und an der Verlautbarung der deutschen Bischöfe "Die bildende Kraft des Religionsunterrichts" (Bonn 1996). Auf dieser Grundlage werden zentrale Inhalte des christlichen Glaubens auf die beruflichen Schulen hin konkretisiert. Der katholische Religionsunterricht geht angesichts der vielfältigen Ziel- und Wertvorstellungen in der gegenwärtigen Gesellschaft von unterschiedlichen Einstellungen der Schülerinnen und Schüler zu Religion und Kirche aus und gibt aus der Sicht des katholischen Glaubens Antwort auf drängende Lebensfragen. Er will ihnen bei der Suche nach Maßstäben für ein Gelingen des Lebens helfen. Der Religionsunterricht richtet sich an folgenden Zielsetzungen aus:
- Er macht mit der christlichen Glaubensüberlieferung vertraut und sensibilisiert für persönliche Lebensvorstellungen,
- Er stellt Lebensentwürfe aus christlichem Glauben vor und lädt ein, sich mit ihnen auseinanderzusetzen.
- Er befähigt zu persönlicher Entscheidung in Auseinandersetzung mit Konfessionen und Religionen, mit Weltanschauungen und Ideologien und fördert Verständnis und Toleranz gegenüber der Entscheidung anderer.
- Er motiviert zu religiösem Leben und zu verantwortlichem Handeln in Kirche und Gesellschaft.
Der Religionsunterricht hilft den gläubigen Schülerinnen und Schülern, sich bewusster für diesen Glauben zu entscheiden. Den suchenden, fernstehenden oder dem christlichen Glauben gleichgültig gegenüberstehenden Schülerinnen und Schülern bietet er die Möglichkeit. Antworten der Kirche auf ihre Fragen kennenzulernen und sich mit ihnen auseinanderzusetzen: dies gilt auch für die Schülerinnen und Schüler, die nicht getauft sind und sich dennoch für die Teilnahme am Religionsunterricht entscheiden. Den Schülerinnen und Schülern, die sich als ungläubig betrachten, sich aber vom Religionsunterricht nicht abmelden, bietet er die Gelegenheit, den eigenen Standort zu klären oder auch zu revidieren.
Konkrete Umsetzung des Lehrplans an der BOS-Wirtschaft
Der Religionsunterricht ist im Idealfall weniger ein Frontaluntericht, in dem ein abstrakter Lehrstoff vermittelt wird, den der Schüler dann zu schlucken hat, sondern ein Gespräch, in dem jeder, der anwesend ist, sich anhand von aktuellen und grundsätzlichen Fragestellungen mit seinem Problembewußtsein und seinen Wertungen einbringen kann. Er sollte als eine Gelegenheit genutzt werden, sich mit den Fragen auseinanderzusetzen, die die Grundlagen unseres ethischen, moralischen und religiösen Handelns betreffen. Es gibt kaum jemanden unter uns, der nicht zu Staat und Politik, Papst und Kirche, Krieg und Frieden, Liebe und Eifersucht Werturteile hat und darüber auch in Streit gerät mit anderen, die andere Werturteile haben. Dies sich bewußt zu machen, kritisch zu reflektieren, aus welchen Gründen man sich für welche Werte entscheidet, gehört zu den wichtigsten Aufgaben des Religionsunterrichtes. Etliche Vorurteile über den Religionsunterricht kann man daher getrost vergessen, denn
- Der RU wird nicht durch das feierliche Verlesen der Bibel bestritten.
- Im RU werden die Schüler nicht auf ihre Rechtgläubigkeit hin getestet und danach bewertet.
- Der RU hat nicht die Aufgabe, die anwesenden Schüler auf den Papst und die kirchliche Morallehre einzuschwören.
- Der RU ist keine Versammlung, um die letzten verlorenen Schafe der Kirche wieder einzusammeln.
Neben den aktuellen Themen, die je nach Lage spontan behandelt werden und den speziellen Wünschen, die die Schüler in den Unterricht einbringen können und sollen, sind folgende Themen in den letzten Jahren ausführlicher behandelt worden.
- Esoterik und Okkultismus. Gründe für die zunehmende Faszination von Alternativreligionen
- Sekten und neureligiöse Gruppierungen.
- Gentechnologie: vor welche moralischen Entscheidungsprobleme stellt uns der rasante Fortschritt dieser Wissenschaft.
- 1492-1992. Fünfhundert Jahre Entdeckung Amerikas. Welche Rolle haben Staat und Kirche bei dieser beispiellosen Eroberung fremder Erdteile gespielt? Was tut sich eigentlich in der Dritten Welt?
- Krieg und Frieden. Mit welchen Begründungen, Parolen, Schlachtrufen und Segnungen wurde in Vergangenheit und näherer Gegenwart militärische Gewalt den Menschen schmackhaft gemacht. Welche Rolle hat die Kirche dabei gespielt.?
- Auseinandersetzung mit dem Islam und dem Judentum. Welche unterschiedlichen Erscheinungsformen des Islam finden sich heute auf der Welt. Jüdische Existenz heute.
- Religiöse Inhalte in alter und neuer Kunst: eine Einführung in die christliche Symbolik. Besichtigung von Kirchen aus verschiedenen Jahrhunderten
- Was ist apokalyptisches Denken? Eine Auseinandersetzung mit apokalyptischem Gedankengut in Vergangenheit und Gegenwart.
- Kreationismus und Intelligent Design: Müssen jetzt die Biologielehrer den biblischen Schöpfungsbericht erklären und Religionslehrer das Prinzip der natürlichen Selektion.