Marionettentheater

Bei allen Aufführungen war die Resonanz des Publikum groß. Leider wird es vorerst keine
weiteren Aufführungen geben, weil Herbert Dandl zum Schulajhr 2010/2011 in den
wohlverdienten Ruhestand gegangen ist.




Aufführung im Schuljahr 2008/2009



Bilder von der Aufführung

Wann wir spielen:


Freitag, 20. März 2009, 19:30 Uhr
Samstag, 21. März 2009, 19:30 Uhr
Sonntag, 22. März 2009, 19:30 Uhr
in der BOS Wirtschaft München

So kommen Sie zu uns


Aufführung im Schuljahr 2007/2008



Johann Nestroys

Höllenangst

Posse mit Musik in acht Bildern
in einer Bearbeitung für Marionetten
von Herbert Dandl

Wann wir spielen:
Freitag, 29. Februar 2008, 19:30 Uhr
Samstag, 01. März 2008, 19:30 Uhr
Sonntag, 02. März 2008, 19:30 Uhr
in der BOS Wirtschaft München
Heidemannstr. 164c,
Raum 106, 1. Stock
Eintritt frei!

Bilder von der Aufführung








Aufführung im Schuljahr 2006/2007

Vom lasterhaften Leben und
gar schröcklichen Ende des weltberühmten
Doktors Johannes
Faust
weiland vielbeschrieener und jedermänniglich bekannter
Erzzauberer und Schwarzkünstler.



Das uralte deutsche Faustspiel in vier Akten und einem Vorspiel nach Texten aus über fünf Jahrhunderten für die Aufführung der Marionettenbühne der Berufsoberschule neu ans Licht gezogen sowie her-, zu- und eingerichtet von Herbert Dandl


Bilder von der Aufführung


Larifari an der Schule

oder

Zu welchem Ende existiert an der Münchner BOS Wirtschaft eine Marionettenbühne?

Das ist die Frage nun schon seit 1985, seit nämlich in jenen sagendunklen Tagen Charly Henghuber begonnen hat, auf der Marionet­tenbühne der BOS die Fäden zu ziehen und sie in den folgenden Jahren zu­sammen mit seinem gleicherma­ßen marionettenverrückten Kollegen Herbert Dandl am Leben erhielt. Da die BOS-Marionet­tenbühne (BM) - so­wohl Wachstum und Schrumpfung als auch mancherlei Umzügen tapfer trotzend - nunmehr neun abendfül­lende Stücke inklusive Figuren- und Kulissenbau inszeniert hat, ist es wohl kaum verfrüht, diese offene Frage endlich einer Antwort näher zu bringen. Also, frisch ans Werk - allein, wir scheitern kläg­lich: Objektives, Bündiges zumal will uns partout nicht aus der Feder fließen. Ver­zweiflung...! Doch da wird uns Hilfe in Gestalt des Münchner Dramatikers Tankred Dorst (TD). Hören wir ergriffen, was uns dieser Experte zu sagen weiß. Noch eins: Es ist uns peinlich, und wir bitten um Nachsicht, aber trotz in­tensivster Anstrengungen unsererseits ließ es sich der Münchner "Kasperl-Graf", Franz von Pocci (1807-1876), nicht nehmen, gelegent­lich kommentierend einzugreifen:

BM: Herr Dorst, Sie sind nicht nur uns als Kapazität auf dem Gebiet des Puppentheaters bekannt. Schließlich begann Ihre Dichterkarriere in den 50er Jahren als Hausautor einer Münch­ner Marionetten­bühne...

TD: "Richtig, ich bin da mal hingegangen und fand das interessant und hab meine ersten Stücke für dieses Theater, für ′Das kleine Spiel′, geschrieben...

"Wenn der Dichter nichts Besseres macht,
Wird er ohne Zweifel ausgelacht."

BM: Herr Pocci, bitte...! Aber warum ausgerechnet für ein Marionettentheater?

TD: "Na ja, einmal war ich ein sehr gehemmter Mensch und habe mich überhaupt nicht getraut, mit irgend etwas rauszurücken. Und das Marionettentheater hatte den psychologischen Vorteil, dass man dahinter verschwand. Es ist eine Art mechanisches Theater und als erste Übung für einen Menschen, der kein Selbstvertrauen hat, natür­lich sehr nützlich; auch weil es eine Gruppe war: Mir hat es den Mut gegeben, über­haupt etwas herauszubringen. Und dann hatte ich natürlich Spaß an dem Medium... Ich hab da in Schwabing in so einer Bude gesessen und hab diese Marionettenstücke geschrieben, die also nichts eingebracht haben. Und ich konnte mir wirklich nicht vor­stellen, wie man in seinem Leben Geld verdient."

"Nicht übel die Introduktion,
Dient ziemlich gut als Exposition."

BM: Tja, welcher Künstler kann das schon, nicht wahr? Doch Scherz beiseite. Wir fin­den, zu allen Zeiten haben sich erstaunlich viele Schriftsteller mit diesem - brotlosen - Genre be­schäf­tigt, obwohl ja Kunst bekanntlich auch nach Brot gehen muss. Was fasziniert also einen Dichter wie Sie am Marionettendrama?

TD: "Nun, vollkommenes Marionettentheater ist vollkommen körperlich gewordene Poesie: alles Wirkliche erscheint verwandelt, der Mensch entmenschlicht, die Dinge sind lebendig geworden. Da ist alles möglich, dass eine Geige sich biegt und anfängt zu tanzen, dass ein Diener mit sechs Händen bedient, dass ein Verliebter beim Anblick des Mädchens den Kopf verliert...

"Auch diese Szene ist trefflich geschrieben;
Doch ist alles beim alten geblieben.
Die Handlung schreitet zu wenig fort
Und spielt zu lang an einem Ort."

Dies alles kann auf der Marionettenbühne gesche­hen: die Tagträume Kafkas sind ihr Bereich, der Glanz und die schwebende Poesie Chagalls, die Bilder Apollinaires und die alogische, assoziative Phantasie primitiver Volksmärchen. Sie löst sich ganz von der Welt, die uns umgibt, um eine Welt sichtbar zu machen, die wie die Träume der Dichter, die Vorstellungen der Kinder und die magische Phantasie der Naturvölker auf ihre Art dem Herzen der Schöpfung ein wenig näher ist."

BM: Mit anderen Worten: Siegt die Natur, so muss die Kunst entweichen...

Ah! welch reiche Ideenpracht!

Bitte Pocci, seien sie ruhig! Sie stören doch nur! ... Entschuldigung, Herr Dorst! Doch zurück zum Thema. Wo waren wir... Ach ja! Was ist nun die spezifische Kunst des Marionettenthea­ters?

TD: "Ganz einfach. Im Schauspielertheater liegt ein entscheidendes Moment darin, dass der Zuschauer eine Rolle verkörpert sieht, aber zugleich genau weiß, dass sie ein ganz bestimmter Schauspieler spielt: er verbirgt sich hinter seiner Maske, sieht auch gelegentlich hervor oder vertauscht sie. Dieses Spannungsverhältnis zwischen Rolle und Person hebt die Marionette auf: sie ist Maske ohne Gesicht, sie ist ganz und gar vollkommen das, was ihr darzustellen bestimmt ist, und es kann so eine künstlerische Wirkung nur dann entstehen, wenn der Zuschauer Figur und Spieler, den Zeigenden und das Gezeigte, zusammen begreift. Die Aufgabe des Marionettenkünstlers be­steht darin, die Poesie des Wortes möglichst rein in der Materie sichtbar zu machen. Bild, Gebärde, Ereignis - und nichts darüber hinaus."

BM: Aber sagen Sie, Herr Dorst, wird die Kreativität des Marionettenspielers bei seinem Stre­ben, das Wort in der Materie sichtbar zu machen - wie Sie sagen -, nicht entscheidend durch die Fäden begrenzt, an denen die Figur hängt?

TD: "Nur auf den ersten Blick. Schon früh, seit dem Ausgang der Antike, und immer wieder in Zeiten, die den Menschen einem undurchschaubaren Schicksal ausgesetzt haben, wird von Schriftstellern und Predigern die an Fäden geführte Holzfigur als Sinnbild und Gleichnis für die menschliche Existenz betrachtet. ′In dieser Marionet­tenwelt, wo sichs nicht der Mühe lohnt den Draht zu ziehen, verachte ich alles′, ruft Faust...

"Wie gut ist′s doch ausgesonnen!
Wie schön der Faden fein gesponnen!
Der Dichter zeiget großes Talent,
Beweist, dass er die Klassiker kennt."

Äh. Ja... Aber auch die Marionette hat so etwas wie eine Emanzipation erlebt: vom Sinnbild zur bloßen Imitation; sie repräsentiert den Menschen, und es wird, je ungebundener sich dieser verhält, auch sein Abbild komplizierter, um es ihm gleichzutun. Der Bewe­gungsmechanismus ist jetzt ganz unsichtbar und wird als Geheimnis streng gehütet, die Proportionen stimmen, die Bewegungen verlieren ihre steife Würde."

BM: Mit Verlaub, lassen Sie uns, ehe wir uns auf schöngeistigen Höhenkämmen ver­steigen, die Kernfrage anschneiden: Was macht das Marionettentheater so beson­ders geeignet für die BOS, sozusagen die Oberstufe der beruflichen Bildung?

TD: "Aber das liegt doch auf der Hand. Marionettentheater ist keine literari­sche Schöngeisterei, die sich der Marionette um des ästhetischen Reizes willen be­dient. Die künstlerischen Probleme des Marionetten­theaters sind unmittelbar mit den technischen verbunden, eines lässt sich vom ande­ren nicht trennen. Das Theater der Mechaniker war es, das den Faust hervorbrachte, den Erzzauberer, der am Hof von Parma die großen Gestalten der Weltgeschichte beschwor, die Teufel zitierte, Luftreisen unternahm und mit gewaltigen Aufwand in die Hölle hinabfuhr...

"Bravo! Bravo!
Der Dichter hat seine Meisterschaft
Bewährt mit wahrer Riesenkraft!
Er führt den Stoff mit Konsequenz;
Und wie moralisch die Tendenz."

Dies alles, auf der Bühne dargestellt, war Technik und Kunst zu­gleich. Vielleicht überwog die Technik. Man kann, wenn man die Texte der Marionet­tenspieler mit den Originalen, die ihnen zugrunde liegen, vergleicht, leicht feststellen, wie sie für technische Effekte zugerichtet sind!"
Die Künstler

BM: Nun ja, wenn dem so ist, dann sind der Worte jetzt genug gewechselt und es wird Zeit, dass endlich wir auch Taten sehen! Herr Dorst, wir danken Ihnen sehr für dieses erhellende Gespräch.

(Anmerkung: Die Zitate wurden folgenden Büchern entnommen: Tankred Dorst: Geheimnis der Marionette. 1957. Horst Laube (Hg.): Werkbuch über Tankred Dorst. 1974. Franz Pocci: Kasperls Heldentaten. Neunzehn Puppenkomödien und Kasperliaden. 1984.)

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